“Und, wie war XY so?”, fragen Freunde hinterher. Fraglich, ob sich das nach einer halben Stunde im selben Raum sagen lässt. Einmal davon abgesehen, dass die Interviewten oft durch ihre Rolle und nicht als Privatperson für Interviews interessant werden – und sich entsprechend präsentieren. Trotzdem jagen die meisten Journalisten dem Authentischen nach. Sie wollen den Interviewpartner als Menschen sehen – schließlich ist ein Interview zur Parademethode geworden, um Einblicke in Innenleben zu geben. Muss, wer das erreichen möchte, er selbst sein oder sollte er sich ebenso inszenieren?
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FALSCHE ANTWORT
10.02.2010 1 Kommentar
Irgendwer will bei Interviews immer seine Interessen durchdrücken. Dieser Umstand wird meist im Zusammenhang mit “Autorisierung” beklagt. In den letzten Wochen habe ich es mehrfach mit anderweitigen Begehrlichkeiten zu tun gehabt: Redakteure und Magazinmacher erwarten zuweilen ganz bestimmte Antworten. Und das führt zu absurdem Theater.
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KEINE FRAGEN AN SALINGER
29.01.2010 Comments Off
Wenn ein berühmter Mensch stirbt, muss ein Nachruf her. Meist steigt auch die Nachfrage nach Interviews an – besonders die nach dem letzten. Ein lieber Kollege hat eine Zeit hinter sich, in der er sich fragen lassen musste, ob er ein Unglücksrabe sei – binnen eines Jahres hatte er mehrere solcher letzten Interviews im Computer, weil seine Interviewpartner kurz nach den jeweiligen Terminen gestorben waren.
Und jetzt lese ich seit Tagen Texte über J. D. Salinger, denen man das Ringen um aktuelle Information, geschweige denn O-Töne, deutlich anmerkt. Salinger hat kaum Interviews gegeben. Ironischerweise brach er einmal sein Schweigen, weil er sein zurückgezogenes Dasein schützen wollte. Aus seinem Beispiel lassen sich mindestens zwei Lehren ziehen.
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UNGEFRAGT REINGESCHOBEN
15.01.2010 Comments Off
Irgendeine Information bleibt immer auf der Strecke. In Interviews kann daraus ein Formproblem werden: Was tun, wenn ich zwar die Antwort verstehe, weil ich (wie es sich gehört) bestens vorbereitet bin – aber gleichzeitig unsicher bin, ob meine Leser dem Gesagten ohne Erläuterung folgen können?
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STURM IM PROSECCOGLAS
06.01.2010 Comments Off
Autorisierungswünsche nerven. Weil damit die Sorge einhergeht, dass die Interviewte dabei wichtige Aussagen wieder zurückziehen will. Und Dinge einfügt, die sie nie gesagt hat. Und weil das Prozedere Arbeit macht. Aber diese Gründe höre ich selten.Beschwerden über die Interview-Autorisierung orakeln stattdessen mindestens Gefahren für die Moral, wenn nicht gar für die Zukunft des Journalismus. Ehrenwert, so scheint es. Doch (more…)
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WENN INTERVIEWER ZU SEHR KLAMMERN
30.12.2009 Comments Off
Hinterher klinge ich lässig. Während des Interviews verfolge ich unerwartete Spuren, reagiere spontan auf Gesagtes und Atmosphärisches. Aber für mich funktioniert das nur, weil ich meine Grundfragen bis aufs einzelne Wort vorbereite. Ich überlege mir nicht nur Stichpunkte, sondern ich probiere bei der Vorbereitung verschiedene Frageformen und komplette Formulierungen aus. Pedanterie? Eher Psychologie:
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INTERVIEWFRAGEN: WARUM IMMER WARUM?
23.12.2009 Comments Off
Kleine Kinder beherrschen die Kunst der Nervensägerei mit zweieinhalb Silben: Waruhuum? Eltern nennen es mit gezwungenem Lächeln “wünschenswerte Wissbegier”, wenn die lieben Kleinen auf jede Antwort nur ein neues “und warum?” hinterherschieben. Geschwister finden weniger freundliche Euphemismen dafür. Warum sollte ich also meinen Interviewpartnern mit einem Wort die Stimmung verderben?
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COUCH-FRAGEN
11.12.2009 Comments Off
Damit ein Interview spannend wird, braucht es eine gute Dramaturgie. Manchmal, glaube ich, geht an diesem Punkt etwas schief. Erstens: Dramaturgie ist nicht gleich Drama. Zweitens sind Gefühle sind nicht per se ein passendes Thema. Und drittens darf eine Journalistin zwar theoretisch alles Mögliche fragen; praktisch aber ist es klüger, genau das nicht zu tun. Sondern sich vorher zu überlegen, wohin die Frage führt. Lautet die Antwort: geradewegs auf die Couch, mag das ein Indiz dafür sein, dass sie nicht ins Interview gehört. Paradebeispiel:
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AUF WESSEN SEITE STEHST DU EIGENTLICH?
25.11.2009 Comments Off
Kevin Devine ist Musiker. Und (akademisch ausgebildeter) Journalist. Im Interview mit ihm erfahre ich, warum er den einen Beruf dem anderen letztlich vorgezogen hat – und, nur scheinbar ganz nebenbei: wieso er nicht beides gleichzeitig sein will. Seine Ausführungen sind ein gutes Beispiel für Interessenkonflikte – und die Rolle eines Journalisten. Auch wenn es in seinem Fall nicht um Berichterstattung über Lobbyisten geht, sondern um Musikkritiken. Dazu drei Fragen und Antworten:
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SELBSTDARSTELLER
26.10.2009 Comments Off
“Das ist das beste Album, das wir je gemacht haben.”
“Auf dem Set waren wir wie eine große Familie.”
Tausendmal gelesen, das. Dann kommt die kritische Frage. Antwort:
“Ach, darüber mache ich mir doch gar keine Gedanken.”
Klar, man kann darüber klagen, dass Promi-Interviews viel zu oberflächlich sind. Oder man macht sich mal Gedanken darüber, warum das so ist. (more…)
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