Autorisieren klingt schon so autoritär. Im journalistischen Alltag sind aber leider nicht alle Hürden genommen, nachdem eine Journalistin die gewünschte Person zu einem Interviewtermin bewegen konnte und Antworten auf ihre Fragen auf Band oder Stick hat. Manche fragen hinterher scheinheilig, ob sie “das noch mal sehen dürfen”. Andere lassen sich überhaupt nur auf ein Gespräch mit der Presse ein, wenn ihnen vorher schriftlich versichert wird, dass sie den Text oder Beitrag später “abnehmen” werden, bevor auch nur ein Sterbenswörtchen davon an die Öffentlichkeit gerät. Muss das sein?
Journalistinnen, die sauber arbeiten, fühlen sich zu Recht von dieser Praxis bei der Arbeit behindert (zugegebenermaßen arbeiten nicht alle so; die möglichen Folgen solcher Interviews habe ich schon einmal angesprochen). Von Deutschland aus schauen sie sehnsüchtig auf die Kolleginnen aus dem Ausland. Anderswo gilt das gesprochene Wort. Interview-Autorisierung gibt es fast nur in Deutschland. Fast.
Die Probleme einer Schülerzeitung wäre der Redaktion der New York Times wohl kaum einen Artikel wert gewesen, wenn sie dahinter nicht einen – je nach Lesart – Skandal oder Sturm im Wasserglas erkannt hätten: Das Büro eines Supreme Court-Richters hatte vom “Daltonian” verlangt, jegliche Berichterstattung über einen Vortrag, den der Richter an der Dalton School gehalten hätte, vor der Veröffentlichung zur Freigabe vorgelegt zu bekommen. Das ist der NYT einen Aufmacher im Lokalteil wert. Und der wiederum wurde bei der Online-Ausgabe des Textes rege diskutiert. Tenor: Eine indiskutable Botschaft an den Nachwuchs, der von Journalisten vehement kritisiert wird – auch wenn einige einige Kommentatoren einräumen, dass auch sie solche Begehrlichkeiten längst gewohnt sind (und selbstredend ablehnen). Herrlich, diese Argumente.
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