Ich sitze in der ersten Reihe. Christine Lacroix hält einen Kurzvortrag über den Unterschied zwischen Plagiat und Fälschung und referiert, wie hoch der wirtschaftliche Schaden durch beiderlei Kopien ausfällt. Gleich werde ich sie zu ihrer Arbeit für die Aktion Plagiarius interviewen. Da fällt mein Blick auf einen Stecker. Und ich sehe ein Problem.
Der Stecker hängt am Ende eines Mikrokabels. Dieses Mikro soll ich gleich für das Interview verwenden. Und es ist nicht eingestöpselt. Außerdem springt mir plötzlich der Beamer ins Auge, der Frau Lacroix’ Präsentation so schön auf die Leinwand wirft. Präzise auf diese Leinwand ausgerichtet steht der Beamer auf einem Sockel. Direkt vor der kleinen Bühne, auf der die Stühle fürs Interview bereitstehen. Nur einen kann ich sehen, obwohl ich in der ersten Reihe sitze. Der Beamerturm verdeckt eine Menge, ebenso wie das Pult, an dem Christine Lacroix mit dem Laptop steht. Damit dem Publikum gleich nicht Hören und Sehen vergeht, muss ich etwas unternehmen.
Mikrokabel einstecken, am Mischpult nachsehen, ob der Regler hochgezogen ist, Pult und Beamersockel beiseite schieben (beide verbunden durch Kabel, weitere gehen an eine Steckerleiste, deren Reichweite ich von meinem Platz aus nicht abschätzen kann): Ich schaue auf meine Hände. Zwei reichen nicht.
Als Christine Lacroix das Ende ihrer Präsentation einleitet, bitte ich den Designer, der neben mir sitzt, um Hilfe, und der sagt es unserem Technikhelfer weiter, der wiederum neben ihm sitzt. Letzterer stöpselt schon einmal das Mikro ein. Ich dirigiere Frau Lacroix auf den Stuhl, der am weitesten außerhalb der Umräumzone steht, prüfe auf dem Weg auf die Bühne das Mischpult (natürlich war der Kanal komplett runtergefahren), und meine beiden spontanen Helfer rücken Beamer und Pult beiseite. Ich nehme meinen Fragezettel vom Stuhl, und als ich mich umdrehe und hinsetze, ist die Sicht auf das Publikum frei. Und wenn ich die sehe, sehen die mich auch. Dankbar schaue ich zwei von ihnen an.
Merke: Für Interviews braucht man nicht nur den Kopf. Sondern oft auch die Hände. Und Leute, die mitdenken.
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