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FALSCHE ANTWORT

10.02.2010 von Petra Engelke

Irgendwer will bei Interviews immer seine Interessen durchdrücken. Dieser Umstand wird meist im Zusammenhang mit “Autorisierung” beklagt. In den letzten Wochen habe ich es mehrfach mit anderweitigen Begehrlichkeiten zu tun gehabt: Redakteure und Magazinmacher erwarten zuweilen ganz bestimmte Antworten. Und das führt zu absurdem Theater.

Beispiel 1: Schon im Gespräch mit dem Redakteur merke ich an, dass der gewählte Interviewpartner nach dem, was ich über ihn recherchiert habe, ungern zu Themen Stellung nimmt, die nicht seine direkte Arbeit betreffen. Später im Interview sagt er an einer Stelle prompt sehr deutlich: “Damit kenne ich mich nicht aus, dazu sollen sich andere äußern.” Steht dann auch so im bestellten Text. Woraufhin der Redakteur mich per Mail bittet, den Interviewpartner anzurufen und um ein Statement zu bitten – zu exakt derselben Frage. Weil ihm eben die Antwort nicht gefällt.

Ich bin doch keine Quizmasterin.

Beispiel 2: Ein anderer Redakteur möchte gern, dass ich einen Querdenker interviewe, weil er sich das als wichtigen – Verzeihung, so war der Wortlaut – Arschtritt für seine Service gewohnten Leser vorstellt. Die Fragen gefallen dem Redakteur ausgezeichnet. Die Antworten offenbar nicht so sehr. Jedenfalls fragt er mich: Hat denn der Querdenker gar nichts gesagt, wovon die Leser einen praktischen Mehrwert hätten?

Ich bin doch keine Maklerin.

Ich war selbst Chefredakteurin und verstehe, dass man in dieser Rolle mehr oder weniger handfeste Motive hat, wenn man Themen plant und Texte bestellt. Deshalb legen kluge Auftraggeber vorher mit mir die Richtung fest,  erwarten dann entsprechend allgemeinverständliche Antworten, Gaga-Unterhaltung, Fachsimpelei – weiß der Kuckuck. Der Rahmen soll stimmen.

Aber.

Wer ein Wortlaut-Interview plant, kann nicht vorgeben, wie die Antworten lauten sollen. Wenn dieser Punkt so wichtig ist, braucht das Thema eine andere Form. Ich will keine Interviews führen oder lesen, in denen die Interviewten zu einer Antwort gelenkt werden wie alte Esel. Dass eine Antwort Erwartungen enttäuscht, soll bitte dem Privatleben vorbehalten bleiben. Dort ist es schon schlimm genug.

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1 Antwort bisher ↓

  • Haha, großartig, dass jetzt auch noch die “Auftraggeber” mit drin rum wurschteln wollen, was gesagt wird. :)