Interviews sind Kunst. Und ein Geschäft. Auf der einen Seite des Handels steht einer, der Aufmerksamkeit für sich erwirbt (und für was auch immer er gerade für lukrativ oder wichtig hält). Auf der anderen Seite steht einer, der Aufmerksamkeit für sein Magazin erwirbt (weil er das für lukrativ oder wichtig hält). Und dazwischen steht der Interviewer. Also ich.
Will ich einen berühmten Menschen sprechen, steigen meine Chancen, wenn ich im Namen eines Magazins um ein Interview bitten kann, das der Berühmte (oder besser gesagt: dessen PR-Agent) für berühmt hält (in PR-Sprech: auflagenstark und zielgruppenkonform und auf jeden Fall noch irgendwas mit -affin). Und bei einem zahlkräftigen Magazin steigen meine Auftragschancen mit exklusiven Interviewangeboten, aufmerksamkeitswirksamen Fragen, vor allem aber ebensolchen Antworten.
In vielen Redaktionen muss jemand Interviews nach Sätzen durchforsten, mit denen man für das Magazin werben kann. Diese Zitate werden dann im Text grafisch herausgestellt, an PR-Agenturen geschickt oder an prominenter Stelle wiederholt. Das machen selbst die Hiphopper, die so gerne von Authentizität sprechen (und gleichzeitig markige Sprüche hervorbringen, als hätten sie einen Doktortitel in Marketing und Aufmerksamkeitsheischerei). So titelt das XXL Magazine in der Juli/August-Ausgabe mit einer Platzhirsch-Ansage von T.I.
Und was sagt der wohl? Steht hier!
Ich vergesse manchmal, dass ich mitten drin in diesem Geschacher hänge und mein Honorar kein hohes Ross einbringt, auf dem ich in den Sonnenuntergang traben kann, wenn einer meiner Auftraggeber Interviewpartner “Zitatgeber” nennt. Das ist letztlich nur ehrlich – was diese Seite von Interviews angeht, wohlgemerkt. Und das Prinzip funktioniert auch mit mir. Schließlich bin ich im Zeitschriftenhandel an genau diesem Hiphop-Magazin hängengeblieben, und ich kenne diesen T.I. nicht mal.
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