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DIE FRAGE NACH DEM KAFFEE

25.08.2010 von Petra Engelke

Ich will mir gerade eine Zeitschrift vom Couchtisch im Wartebereich nehmen, da öffnet sich die Fahrstuhltür und Manon Slome rauscht auf mich zu. Wir sind in ihrem Büro zum Interview verabredet. Sie eilt voraus und fragt: “Möchten Sie auch einen Kaffee?” Diese Frage ist nicht so harmlos, wie sie scheint. Denn die Antwort kann sich auf die Interviewatmosphäre auswirken. Und ich habe an diesem Punkt ein Handicap.

Ich trinke keinen Kaffee.

Aber dazu gleich. Zunächst einmal eine generelle Anmerkung zur Getränkefrage. Manche Interviews finden an Orten statt, an denen diejenige, die ich interviewen möchte, die Gastgeberin ist (ob das nun wirklich ein Hausbesuch ist oder ein Besuch am Arbeitsplatz, im Büro, Konferenzraum, Labor). Bietet sie mir etwas zu trinken an, sage ich niemals “nein, danke”. Dafür habe ich gleich drei Gründe.

Erstens gebietet es die Höflichkeit, das freundliche Angebot anzunehmen. Zweitens verbessert ein “ja, bitte” die Atmosphäre: Menschen neigen erfreulicherweise dazu, sich gut zu fühlen, wenn sie jemand anderem etwas Gutes getan haben. Das wirkt sich in der Regel auf den Einstieg ins Interview aus. Andersherum, also wenn ich ablehne, kann es passieren, dass ich meine Gastgeberin in die Bredouille bringe, wenn sie selbst etwas trinken möchte. Selbst wenn sie das dann trotzdem tut, sieht es nicht fein aus, wenn ich dasitze, als ließe sie mich dürsten. Drittens verschafft mir die Getränkebeschaffung ein wenig Zeit, um mich umzuschauen, meine Unterlagen und das Aufnahmegerät hervorzuholen und Smalltalk zu machen – ohne dass meine Gesprächspartnerin dabei (nur) auf mich wartet.

Wenn da nur nicht die Gepflogenheit wäre, auf der Arbeit Kaffee zu trinken. Den, nicht das Angebot an sich, lehne ich ab. Also frage ich sofort nach einer Alternative. Tee, sollte man meinen. Aber der kann – je nach Interviewort – einen Heidenaufwand machen. Ich habe schon erlebt, dass da nacheinander mehrere Kolleginnen angerufen und gefragt werden, ob sie denn wohl noch Tee in der Schublade hätten, Hektik breitet sich aus, und meine entspannte Atmosphäre kann ich vergessen. Jetzt gehe ich als Troublemaker ins Interview. Meistens sage ich also, dass ich gerne ein Wasser nähme. Weil Wasser in den meisten Büros ganz einfach aus dem Hahn kommt.

In diesem Fall aber gehe ich das Risiko ein. Manon Slome ist zwar überzeugte New Yorkerin. Aber sie muss nur den Mund aufmachen, und ich weiß: Sie stammt aus Großbritannien und lässt sich von Teetrinkerinnen vermutlich nicht aus der Fassung bringen. Also sage ich: “Ich trinke leider keinen Kaffee, aber Tee, falls Sie welchen zur Hand haben.” Noch bevor ich das geplante “Wasser wäre aber auch fein” anschließen kann, fragt sie mich, wie ich meinen Tee mag.

Manon Slome ist freie Kuratorin und gründete 2009 “No Longer Empty”, eine Initiative, die Kunst in leerstehenden Geschäften und Industriegebäuden ausstellt.

Tags:   · · 3 Kommentare

3 Antworten bisher ↓

  • hallo liebe frau engelke,

    eigendlich bin 9ich nur aus purem zufall auf ihren ny blog aufmerksam geworden. und wollte natürlich gleich wissen, wer oder welche so leichtfüssige texte schreibt. da ich dann aber dort keinen hinweis uf ein impressum fand habe ich, naja ich in halt mediendesigner die “sub”:”ny” vor der domain weggelassen und siehe da eine webpage mit interesanten inhalten gefunden.

    ich selbst nin medien designer, schreibe jedoch ach hier und da mal dazwischen und es macht mir grossen spass ihre zeilen zu lesen.
    im besonderen über NY. zum ersten mal stellt sich mir diese stadt ganz anders dar, als in den grossen medien. NY bekommt für mich – durch ihre darstellung – etwas gemütliches, wohnliches, heimeliches.

    weiter so lieben gruss
    SeeSeaCarsem

  • Vielen Dank für das Kompliment. Gemütlich würde ich New York City nun wirklich nicht nennen – aber was schreibe ich auch übers Teetrinken. ;-)

  • ja, was schreiben sie auch übers tee trinken,
    ich finde jede stadt hat verschieden seiten und die verborgenen, schönen seiten aufzudecken,
    oder vielleciht auch”auf zu denken” das macht die feinsinnigkeit aus, mit welcher ein author gewappned sein sollte.

    berlin ist ja auch nicht “aus jeder perspektive” hüsch oder kreativ, oder oder.

    ich bin ja schon erstaunt, das es in NY über haupt tee gibt.
    ;-)

    grüsse aus köln
    SeeSeaCarsem