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GESAGT IST GESAGT

03.11.2009 von Petra Engelke

Das habe ich nie gesagt! An dieser Feststellung hängt vielleicht ein Vorwurf. Auf jeden Fall hat sie einen Änderungswunsch in Schlepptau. Und normalerweise kommt  dieser Satz von denen, deren Antworten Interviewerinnen veröffentlichen (möchten). Mit Jon Spencer geht es mir andersrum.

Weil er ständig seine Hintergrundmusiker wechselt und mir dazu nicht die neuesten Informationen vorliegen, frage ich nach seiner aktuellen Liveband. Daraufhin erzählt er mir, dass er gerade aus dem Supermarkt zurück ist, kommt von Kürbissen auf Halloween. Und dass dieser Feiertag ursprünglich gar nicht sonderlich amerikanisch sei, aber von den Amerikanern meisterlich kommerzialisiert.

Ich erwidere, das sei längst über den Ozean geschwappt, es habe uns aber wohl jetzt etwas aus der Kurve getragen.

Er hakt ein, er wolle damit ja nur sagen, dass sein Lifestyle nicht besonders wild sei. Und erzählt mir, was er statt wilder Geschichten so treibe.

“Das war sehr interessant”, sage ich, “aber da haben wir uns missverstanden: Ich habe nach deiner LIVEBAND gefragt.”

“Oh”, antwortet Jon Spencer, “aber du hast das Wort Lifestyle benutzt.”

Ich bin mir zu 93 Prozent sicher, dass er unrecht hat. Das habe ich nicht gesagt, denke ich mir. “Liveband” steht auch auf meinem Leitfadenzettel für das Interview. Aber ich möchte keine Zeit damit verschwenden, darüber zu streiten. Also sage ich: “Tut mir leid.” Im Gegenzug bekomme ich die Sachinformationen, die ich wollte. Das verknüpfe ich dann mit tiefergehenden Fragen, das Gespräch läuft gut, aber nebenher frage ich mich, ob ich wirklich, wie er behauptet, Lifestyle gesagt habe.

Am Ende denke ich dasselbe wie bei Autorisierungs-Nervenkriegen: Ich habe Beweise. Schließlich habe ich alles, was wir sagten, aufgenommen. So lausche ich später beim Abhören dem Beweis, dass ich nie etwas von Lifestyle gesagt habe. Jon Spencer wird es nie erfahren. Macht aber nichts. Auf diese Weise habe ich erfahren, dass Jon Spencer noch vor 10 Uhr morgens einkaufen geht, seiner Familie ein Halloween-Essen kocht – und habe mit “Ich bin natürlich ein cooler Typ, aber mein Lifestyle ist nicht besonders wild” einen Satz, der vermutlich als Zitat seinen Weg ins Porträt finden wird.

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