Recherche-Interviews, finde ich, kann man nur bedingt vorbereiten. Meistens denke ich mir bei solchen Gelegenheiten, ich könne ja immer noch ein “richtiges” Interview nachschieben, wenn eine Person sich dafür anbietet. Vielleicht ist das nur eine schlechte Angewohnheit. Trotzdem schreibe ich mir vor Rechercheterminen einige konkrete Fragen auf – allein schon, damit ich auf die Punkte achte, die mir wichtig erscheinen. Und manchmal führt die Situation dann zu Überraschungen – wie gestern mit Yeohlee Teng.
Zusammen mit 24 anderen Journalisten aus aller Welt schaue ich mir mehrere Firmen an, die im New Yorker Garment District sitzen. Am Ende sprechen wir mit der Designerin Yeohlee Teng. Sie beantwortet unsere Fragen zu ihrer Arbeit und zu ihrem Engagement für den Erhalt des Viertels als Mode-Zentrum. Dann sagt sie: “So, und jetzt möchte ich etwas von Ihnen wissen. Was haben Sie von diesem Tag mitgenommen?”
Einer der asiatischen Kollegen, der zuvor schon seine Fragen mit lauter Bildern gespickt hat, findet darauf folgende Antwort: “Wir konnten unter die Oberfläche schauen. Man sieht ja meist nur den schönen Schwan, aber heute haben wir auch die Füße gesehen, die unter der Oberfläche paddeln.”
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