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TIMING oder: Ist schon wieder Weihnachten?

05.02.2014 von Petrina Engelke

Ach, würde doch bloß das Aufnahmegerät jetzt schon laufen! Dieser Gedanke schießt mir durch den Kopf, und zwar nicht zum ersten Mal. Wenn ich einen Interviewpartner treffe, warte ich ja nicht mit gezücktem Mikro, sondern mit ausgestreckter Hand (merke: Höflichkeit steht auch Journalistinnen ganz hervorragend). Blöderweise erzählt mir Felix “Phil” Grucci aber gleich bei der Begrüßung etwas, das einen herrlichen Interviewbeginn abgäbe. Schlechtes Timing. Was tun?

Bei Telefon-Terminen ist der Anfang des Aufeinandertreffens oft gleichzeitig der Anfang der Interviewaufnahme (was zu einem Gutteil an meiner Aufnahmesoftware liegt und unter anderem dazu führt, dass ich beim Transkript jedes Mal den Satz “Ich nehme unser Gespräch auf, das ist doch in Ordnung für Sie?” zu tippen habe). Bei einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht begrüße ich immer erst einmal meinen Interviewpartner, und manches Mal ergibt sich dabei Smalltalk.

Eine Weihnachtsgeschichte für meinen Text

Mit dem Feuerwerks-Spezialisten Felix “Phil” Grucci rede ich darüber, dass er eben erst aus Dubai zurückgekehrt ist. Weil er monatelang dort an einem Weltrekord gearbeitet hat, fielen auch sämtliche Feiertage für ihn aus – und deshalb, so verkündet er strahlend, feiert seine gesamte, große Familie morgen Weihnachten. Am 25. Januar.

“So bekommen wir sogar eine weiße Weihnacht!”, sagt Phil Grucci und zeigt nach draußen. Dann erklärt er mir, wie entspannt es ist, im Januar durch einen Spielzeugladen zu laufen und Geschenke zu besorgen.

Das gäbe eine prima Hintergrundgeschichte zu seiner Arbeit ab – die Feuerwerks-Branche hat schließlich zu Silvester Hochkonjunktur, und Weihnachten fällt da eben in die heiße Vorbereitungsphase. Lasse ich ihn nun also dieselbe Geschichte noch mal ins Mikro hauchen?

Geschichten aus der Begrüßung im Text unterbringen

Nein. Aber ich mache Notizen, damit ich sie erzählen kann. Im Zweifelsfall frage ich meinen Interviewpartner, ob ich das veröffentlichen darf. Wie ich sie dann unterbringe, hängt davon ab, in welche Textform ich unser Treffen später bringe:

Dient das Interview als Grundlage für ein Porträt, brauche ich nicht die gesamte Anekdote im Wortlaut und kann sie an geeigneter Stelle aufschreiben. Soll es ein Wortlaut-Interview werden, habe ich meistens im Vorspann Raum dafür – er liest sich mit einer persönlichen Geschichte ohnehin besser als mit runtergeratterter Biografie oder dem ewig gleichen “XY kommt in den Konferenzraum …”-Einstieg.

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