Ich sortiere mein Workshop-Material, und dabei fallen mir meine Notizen dazu in die Hände, was die TeilnehmerInnen anderer Seminare sich zu Beginn als Ergebnis wünschten. Sehr viele wollen lernen, wie man Besonderes aus den Interviewten herausbekommt und wie man ungewöhnliche Fragen entwickelt. Das kann man lernen, ja. Am Anfang steht meiner Ansicht nach die Frage, auf welche Weisen man überhaupt fragen kann. Welche Frageformen es also eigentlich gibt. Die Antwort lautet:
Viele. Diese Vielfalt ist Kapital, mit dem Interviewer wuchern können. Hier zwei Beispiele:
Offene Fragen
Wie der Name schon sagt: Hier ist vieles offen. Die Richtung legt eines der berühmten W-Wörter fest: Wie ist Ihre neue Kollektion entstanden? Wozu kann man diese Software gebrauchen? Welche Eindrücke dieser Reise sind Ihnen noch präsent? Wo liegt der Unterschied? Warum haben Sie Ihre Heimatstadt verlassen? Wann setzen Sie sich Grenzen?
Offene Fragen ermuntern zum Reden – hilfreich bei wortkargen Zeitgenossen oder wenn das Gespräch stockt. Weil offene Fragen eine große Bandbreite an Antwortmöglichkeiten zulassen, eignen sie sich auch, um die Gesprächspartnerin Ansatzpunkte für das weitere Gespräch setzen zu lassen. Oder um Menschen, die gerade ein neues Produkt auf den Markt bringen, die Möglichkeit zu geben, erst einmal all die Phrasen loszuwerden, die sie sich zurechtgelegt haben. Vorsicht ist allerdings bei Vielrednerinnen angesagt: Sie könnten auf offene Fragen mit einem allzu langen Monolog reagieren.
Geschlossene Fragen
Eine geschlossene Frage in Form einer Entscheidungsfrage nagelt den Interviewpartner fest. Die Antwortmöglichkeiten sind durch diese Frageform sehr begrenzt (häufig auf “ja” oder “nein”): Arbeiten Sie mit anderen zusammen? Kann man das schon kaufen? Haben Sie Bestechungsgelder angenommen? Wann genau waren die Vertragsverhandlungen? Ist Ihnen das peinlich?
Viele Menschen antworten auf solche Fragen dann doch mit ein, zwei erläuternden Sätzen. Dennoch kann man geschlossene Fragen gezielt einsetzen, um den Redefluss eines Interviewpartners zu dämmen. Außerdem helfen sie dabei, Details zu klären, konkrete Daten zu erfahren oder eine langatmige, inhaltsarme Ausführung auf den Punkt zu bringen.
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