“Bestellen Sie im Restaurant lieber Fisch oder Fleisch?” Eine solche Frage heißt Alternativfrage: Der Interviewer bietet zwei oder mehr Antwortmöglichkeiten. Es kann selbstverständlich auch passieren, dass
die Interviewte sich für keine dieser Möglichkeiten entscheidet – und zum Beispiel antwortet: “Ich bin Vegetarierin.”
Mit klug gewählten Antwortmöglichkeiten kann der Interviewer seine Gesprächspartnerin dazu bringen, Position zu beziehen – und damit einen Anknüpfungspunkt zu geben für Fragen nach dem Wieso und Warum. Für die Leser sind manche der Alternativen vielleicht sogar direkt mit bestimmten Werten besetzt. “Trinken Sie Rotwein, Bier oder Champagner?”, “Spielst du lieber im kleinen Club oder im Stadion?”, “Was passt eher zu Ihnen: progressiv, nonkonformistisch oder rebellisch?”
Hier hat die Interviewte die Wahl – trotzdem gehört diese Frageform zu den geschlossenen Fragen. Sie bewegt die Interviewte dazu, etwas eindeutig zuzuordnen oder sich abzugrenzen. Man kann dabei eng am Gesprächsthema oder an persönlichen Daten der Interviewten bleiben und ganz nebenbei zeigen, dass man sich vorher genau mit ihr auseinandergesetzt hat – oder sie mit etwas Ungewöhnlichem überraschen. Läuft das Interview etwas zäh, kann eine Alternativfrage das Gespräch auch auflockern und Anknüpfungspunkte oder Inspiration bieten.
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