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ELCHTEST

23.06.2009 von Petra Engelke

Manchmal kann ich meine Interviewpartner nicht persönlich treffen – besonders, wenn es internationale Jetsetter sind. E-Mail-Interviews mache ich nur selten, weil dabei die Möglichkeit fehlt, direkt auf das zu reagieren, was mein Gesprächspartner sagt. Also bleiben nur Chat und Telefon als Ausweichmöglichkeit. Diesmal stehen gleich zwei Telefoninterviews an einem Tag an. Mittags ruft mich  Martin Lindstrom an, ein dänischer Werbeguru, der demnächst ein Buch namens “Buyology” auf Deutsch veröffentlichen wird und rund 300 Tage im Jahr auf Reisen ist. Ich weiß nicht, von wo er mich anruft, aber ich kann sehr bald sagen: Er ist weit entfernt.

In Telefonaten zwischen verschiedenen Kontinenten bemerkt man eine leichte Zeitverzögerung – was zu lustigen Überschneidungen führen kann. In diesem Fall hört er mein Lachen über einen Scherz immer erst ein paar Sekunden später, und ich denke: Hält der mich jetzt etwa für etwas langsam im Denken? Schließlich hatte er vorher gefragt, ob ich das Gespräch aufzeichne, weil er wissen wollte, ob er schnell reden kann.

Das zweite Gespräch ist abends. Ich rufe Daniel Coyle an, der ein Buch namens “Die Talentlüge” geschrieben hat und in Alaska lebt. Dass ich ihn wirklich zu Hause “antreffe”, bestätigt sich, als er mitten im Satz sagt: “Oh, da läuft ein Elch mit Kalb durch den Garten!” Daniel entschuldigt sich für eine kurze Unterbrechung, um seinen Kindern die kleine Familie zu zeigen.

In diesem Moment wünschte ich, es wäre kein Telefoninterview und versuche gleichzeitig, mir genau zu merken, an welchem Punkt wir unterbrochen haben. Das wäre nicht nötig gewesen: Daniels Denken ist  wohlstrukturiert, er setzt von allein wieder an dem Punkt an, an dem er seine Antwort unterbrochen hatte. Sein Lachen kommt trotzdem verzögert.

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