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INTERVIEWSTILE, TEIL 1: KONFRONTATIV

12.01.2009 von Petra Engelke

Manche Menschen mögen den Schlagabtausch, sie vertreten schon im privaten Rahmen gern unbequeme Positionen, allein um zu sehen, wie weit sie damit kommen.Letzteres lässt sich auf einen konfrontativen Interviewstil übertragen: mit Provokation, Gegenargumenten, Suggestivfragen und so fort.

Das bringt ein Gespräch voran, in dem

ein Sachverhalt oder eine Entscheidung kritisch angegangen werden soll, etwa bei einem Interview mit einer Politikerin über Konjunkturpakete, mit einem Wissenschaftler über seine Thesen, mit einem Fernsehproduzenten über eine umstrittene Sendung. Deswegen denken viele, sie müssten das unbedingt können. Doch ein konfrontativer Stil führt längst nicht überall zum Erfolg.

Zurückhaltung ist zum Beispiel geboten bei einem Interview, das innere Zustände beinhaltet: Auf der Hand liegt das bei einem Gespräch mit einem Verbrechensopfer, aber auch in einem klassischen Personality-Interview wirkt es aufgesetzt, sobald man den Eindruck erweckt, partout einen Streit vom Zaun brechen zu wollen.

Wer an passender Stelle konfrontativ arbeiten möchte, sollte zwei Dinge besonders gut vorbereiten: seine Rolle im Gespräch und seine Faktensammlung.

Erstens sind Journalisten keine Richter – klingt nach Binsenweisheit, bis man Interviews liest, an deren Ende man statt „Vielen Dank für das Gespräch” eher ein „im Namen des Volkes” erwartet hätte.

Was Journalisten aber vom Gericht für ihre Interviewrolle lernen können: Gute Richter entscheiden einen Fall nicht bereits nach Aktenlage (hier: Recherche), sondern erst nach der Anhörung (hier: Interview). Ein Streitgespräch fesselt Leser, Hörer und Zuschauer oft erst dann, wenn nicht von vornherein klar ist, wer Recht hat. Wer sich der Nähe zur Richterrolle bewusst ist, läuft seltener in die Falle, sich als Urteilsinstanz aufzuspielen in einem Gespräch, das man sich auch hätte sparen können – weil ohnehin kein Raum für eine andere Meinung bleibt.

Zweitens: Ein konfrontatives Interview bedeutet ja nicht nur, dass die Interviewerin ihren Gesprächspartner angreift – sie macht sich auf selbst angreifbar. Deshalb tut sie gut daran, sämtliche Argumente mit wasserdichten Daten und Fakten zu untermauern. Außerdem sollte sie überlegen, was ihr Interviewpartner entgegen wird, wie er selbst möglicherweise argumentieren wird und mit welchen Fakten sie wiederum dagegen antreten kann. Auch ihre Quellen sollte sie benennen können.

Man muss nicht konfrontativ sein. Man muss also auch nicht extrem einfühlsam sein (dazu mehr im nächsten Teil). Hauptsache ist, man weiß, wohin die eigene Persönlichkeit tendiert, wie weit man in welchem Gesprächsstil man selbst bleiben kann – und lehnt gegebenenfalls einen Interviewauftrag ab, wenn Inhalt und Gesprächspartner dazu nicht passen.

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