Damit ein Interview spannend wird, braucht es eine gute Dramaturgie. Manchmal, glaube ich, geht an diesem Punkt etwas schief. Erstens: Dramaturgie ist nicht gleich Drama. Zweitens sind Gefühle sind nicht per se ein passendes Thema. Und drittens darf eine Journalistin zwar theoretisch alles Mögliche fragen; praktisch aber ist es klüger, genau das nicht zu tun. Sondern sich vorher zu überlegen, wohin die Frage führt. Lautet die Antwort: geradewegs auf die Couch, mag das ein Indiz dafür sein, dass sie nicht ins Interview gehört. Paradebeispiel:
“Wie fühlen Sie sich?”
Fragt das ein Arzt, ist das oft schon schwer genug zu beantworten. Beim Psychotherapeuten kann man immerhin darauf vertrauen, dass er auf so ziemlich jede Reaktion gefasst sein wird. Im Interview führt diese Frage geradewegs ins Abseits. Trotzdem hört man sie, etwa an einen Fußballer gerichtet direkt nach der Niederlage, abgepasst auf dem Weg zur Dusche: “Was ist das jetzt für ein Gefühl?”
Oder als Einstiegsfrage an den neuen Topmanager: “Wie fühlt man sich als Chef von XY?” Und, ja, auch für Herta Müller hatten sich Kollegen diese Frage ausgedacht, als Anfang Oktober bekannt wurde, dass sie den Literatur-Nobelpreis bekommen soll. “Wie fühlen Sie sich?”, schallte es aus der Journalistentraube. Nur dass die Dame, die da aus dem Wagen stieg, gar nicht Herta Müller war, sondern Ruth Jacoby, die schwedische Botschafterin. Ob die beiden sich ähnlich sehen, kann man in einem Bilderbogen der FAZ nachschauen.
Als Antwort für alle Fälle schlage ich vor:
Pink. Ganz entschieden pink heute.
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