Irgendeine Information bleibt immer auf der Strecke. In Interviews kann daraus ein Formproblem werden: Was tun, wenn ich zwar die Antwort verstehe, weil ich (wie es sich gehört) bestens vorbereitet bin – aber gleichzeitig unsicher bin, ob meine Leser dem Gesagten ohne Erläuterung folgen können?
Ich finde, da gibt es drei Möglichkeiten. Erstens: Vertrauen. Ich muss meinen Lesern nicht alles buchstabieren. Heute erst las ich (und weiß nicht mehr wo), wie jemand in einem ansonsten feinen Text das Wort “Betaversion” fallen ließ und tatsächlich eine Zeile später eine Erklärung folgte, es sei ein Begriff aus der Software (?) und bedeute … nun, das verrate ich nicht. Ich bezweifle nämlich, dass die Lektion nötig war. Und selbst wenn, geht es doch auch anders:
Zweitens muss die Erläuterung ja nicht zum Bestandteil des Interviews gemacht werden. Mir stellen sich die Nackenhaare auf, wenn ich wieder einmal ein Interview nach dem folgenden Muster sehe (fiktives Beispiel):
Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Wie ich das spiele, ist immer eine Frage des Stücks. In „Zahlemann und Söhne“ zum Beispiel …
… dem Stück von B.S. Bingo in der Komödienbörse, das im Vorstand eines ostwestfälischen Mittelstandsunternehmens spielt …
… lasse ich auch Privates zu. Das ist mir ganz wichtig. Ich habe da sogar meine eigene Kreditkarte als Requisite mit auf der Bühne.
Nie und nimmer lässt jemand solche Einschübe tatsächlich während des Gesprächs fallen. In Schriftform stört es den Lesefluss und klingt so unecht, wie es ist. Auch wenn Interview-Autoritätsmedien wie der Spiegel sich dieses Mittels gern bedienen: Wann immer ich Einfluss auf diese Art von Redigierfragen habe, plädiere ich auf Extrawürste. Gern liefere ich einen Satz für die Marginalspalte, so es eine gibt. Oder einen Infokasten. Und im Netz erwarte ich, dass die Redaktion das Medium ausnutzt: mit einem klug gewählten Link, einem knackigen Satz als Mouse-Over-Effekt oder, oder, oder.
Drittens: Zuweilen lassen sich Zusatzinformationen per Balkonfrage einfügen. Das finde ich noch am ehesten machbar, wenn andere Möglichkeiten ausscheiden. Habe ich also im Interview nur danach gefragt, wie ein Schauspieler sich auf seine Rolle vorbereitet, dann kann ich beim Verschriftlichen der eigentlichen Frage durchaus einen Satz voranstellen, dem zu entnehmen ist, um welches Stück es sich handelt.
Im genannten Beispiel fände ich das allerdings überflüssig. Genauso wie die Allerweltsfrage übrigens.
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