Wenn ein berühmter Mensch stirbt, muss ein Nachruf her. Meist steigt auch die Nachfrage nach Interviews an – besonders die nach dem letzten. Ein lieber Kollege hat eine Zeit hinter sich, in der er sich fragen lassen musste, ob er ein Unglücksrabe sei – binnen eines Jahres hatte er mehrere solcher letzten Interviews im Computer, weil seine Interviewpartner kurz nach den jeweiligen Terminen gestorben waren.
Und jetzt lese ich seit Tagen Texte über J. D. Salinger, denen man das Ringen um aktuelle Information, geschweige denn O-Töne, deutlich anmerkt. Salinger hat kaum Interviews gegeben. Ironischerweise brach er einmal sein Schweigen, weil er sein zurückgezogenes Dasein schützen wollte. Aus seinem Beispiel lassen sich mindestens zwei Lehren ziehen.
Erstens, für Interviewpartner: Man muss keine Interviews geben. Sie sind nicht mal ein notwendiges Mittel, wenn man berühmt werden oder bleiben will. Wer nicht gern redet, kann also gefahrlos Anfragen ablehnen – und braucht sich nicht mit passiv-aggressivem Verhalten in Interviews abzumühen.
Zweitens, für Journalisten: Man muss keine Interviews einfordern. Wer sich aufdrängt oder sich an die winzigsten Gelegenheiten krallt, Fragen rauszuhauen, landet nicht zwangsläufig einen Scoop. Für eine gute Geschichte braucht es nicht unbedingt ein Interview. Ein wunderbares Beispiel dafür ist eine Beinahe-Interview-Geschichte über J. D. Salinger von Edward J. Bennett von 1987.
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