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NOCH MEHR KUMMER?

19.03.2010 von Petra Engelke

Nennen Sie mir doch einmal drei berühmte Interviewer. Zu schwierig? Das würde für feine Zurückhaltung sprechen. Oder dafür, dass man in Interviews wenig eigenen Stil zeigen kann. Unsinn. Interviewer sind so eitel wie andere Journalisten auch, und ohne eigenen Stil schaffen sie ihre Arbeit wohl kaum. Aber es gibt etwas, mit dem man viel mehr Aufmerksamkeit bekommt als mit guter Arbeit. Jedenfalls habe ich heute wieder einmal den Eindruck, mit Interviews kommt man am ehesten dann ins Gespräch, wenn man etwas falsch gemacht hat. Wie offenbar nun auch Ingo Mocek.

Da entschuldigt sich die Neon-Redaktion: Es habe sich herausgestellt, dass Ingo Mocek das Interview mit Beyoncé Knowles, das in der Januarausgabe von Neon erschien, nie führte. Deshalb darf er nicht mehr für Neon arbeiten. Aber jetzt wird über ihn berichtet. Meist mit einem Verweis auf Tom Kummer.

Der gilt als der deutsche Vorzeige-Fälscher. Vor rund zehn Jahren kam heraus, dass er als freier Mitarbeiter dem SZ-Magazin eine ganze Reihe erfundener Interviews verkauft hatte. Prompt erklärte Kummer das Ganze zur Kunst, was aber auch nichts nutzte, über diesen Fall wurde die Chefredaktion am Ende aufgelöst. Kummer hat Jahre später dann ein Buch veröffentlicht. Konrad Kujau, der die gefälschten Hitler-Tagebücher an den Stern verkauft hatte, bot nach seiner Haftentlassung in seinem Atelier “original Kujau-Fälschungen” an.

Ich bin gespannt, was wir in ein paar Jahren von Ingo Mocek hören.

Tags:   1 Kommentar

1 Antwort bisher ↓

  • So arme Schweine wie Mocek oder damals Kummer sind die Sündenböcke. Und einer wie der saubere Herr von Uslar, von dem jeder in der Szene weiß, dass er sein Zeug frisiert hat, der kommt davon:
    “Es ist für mich unverständlich, weshalb man so puritanisch gegen mich zu Felde zieht. Jeder weiß doch, dass Star-Interviews Bullshit sind. Ich war auch nicht der Einzige, der das System durchschaut und es sich zunutze gemacht hat. Moritz von Uslar veröffentlichte im SZ-Magazin ein Interview mit Vivienne Westwood. Die ARD hat einen Kommentar von Vivienne Westwood, dass dieses Interview nie stattgefunden hat. Ich habe Moritz in Leipzig wieder getroffen. Der kam zu mir und sagte: “Schau, ich hab eine Unterschrift von Günter Grass. So muss man es machen, so holt man sich die Autorisierung.” Ja, okay … Ich bin auch sicher, dass heute alles sauber und gut abläuft, aber die anderen Jungs haben es teilweise wie ich gemacht und sind damit weggekommen. ”
    http://www.intro.de/drucken/artikel/23041607
    Die Redaktionen machen doch den Druck, die wollen doch die Hammerzitate, es liegt am System, nicht an durchgeknallten Einzelpersonen.