Beim Interview habe ich einen Plan. Ich weiß, was ich wissen will, meine Fragen sind zugespitzt formuliert, eine Reihenfolge habe ich auch im Kopf – das schafft Raum, um zuzuhören und zu reagieren und dann doch alles ganz anders zu machen und trotzdem das Ziel im Visier zu behalten. Aber erst einmal müssen ja die Themen und Fragen irgendwo herkommen. Auch dafür gibt es Strategien.
Man kann zum Beispiel mit Brainstorming-Techniken arbeiten (was allerdings am besten in einer Redaktionsgruppe funktioniert), man kann mit Mind-Mapping wolkige Bilder von Themen und zusammengehörenden Fragen entwickeln, man kann sich zuerst für ein Interviewziel entscheiden und dann Fragen darauf zuschneiden.
Ich arbeite schon bei der Recherche meist zweigleisig: Ich notiere wichtige Punkte zur Person – und ungefilterte Fragen, die mir spontan in den Sinn kommen. Bevor ich später anfange, darüber nachzudenken, auf welche großen Themen/Fragen sich das, was ich wissen will, eindampfen lässt, welches Ziel ich habe und mit welchen Fragen ich da hinkomme (oder ich gar an konkreten Formulierungen herumfeile), notiere ich noch einmal ganz frei alles Mögliche, Naheliegende, Weithergeholte und (scheinbar) Unsinnige, was mir zum Interviewpartner einfällt. An diesem Punkt frage ich gern andere nach ihren Ideen: Was würdest du gern von XY wissen? Dabei kommt zwar je nach Ansprechpartner nicht unbedingt etwas Brauchbares heraus. Aber der Perspektivwechsel ist Pflicht, finde ich. Und viel einfacher, wenn man sich anderer Leuts Blickwinkel zunutze macht.
Dasselbe tun die Redakteure beim Tagesspiegel – öffentlich, als “Leseraktion”, also um den Lesern zu zeigen, dass man bei ihrer Zeitung auf sie hört. Bis zum 8. Juli darf jeder ins Kommentarformular eintippen, was er oder sie Klaus Wowereit fragen würde. Und einmal abgesehen davon, dass man sich hier eine schöne Bandbreite an Fragen, Frageformen und Interessen anschauen kann: In der Diskussion sieht man dann auch, wie es nach dem Fragensammeln weitergeht. Die Prioritäten werden allerdings nicht die Leser setzen.
0 Antworten bisher ↓
Die Kommentare sind geschlossen. Wie Ruhrgebietsbuden nach 22 Uhr.