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INTERVIEWFRAGEN: ROSA ELEFANTEN

11.08.2010 von Petra Engelke

Ich sage zwar gerne, wie sehr ich es schätze, dass es mein Job ist, alles zu fragen, was ich will. Aber ich stelle nicht jede Frage, die mir in den Sinn kommt. Manche würde zu nichts führen, für manche ist mir die Interviewzeit zu schade (zum Beispiel, weil ich es anderweitig herausfinden kann), und gar so manche ist schon allzu oft gestellt worden. Schließlich möchte ich meinen Interviewpartner nicht langweilen. Trotzdem setze ich diese Fragen, die ich mir schenken will, nicht auf die innere Verbotsliste – aus psychologischen Gründen.

Das Unterbewusstsein ist ein Rebell, es kennt kein “nein”, “nicht” oder “kein”. Wenn sich eine Journalistin vornimmt, etwas auf gar keinen Fall zu fragen, passiert gerne mal dasselbe, als hätte sie sich geschworen, nicht an rosa Elefanten zu denken.

Entschuldigung, jetzt war ich abgelenkt, habe Elefanten gesehen.

Statt ein paar Frageverbote zu speichern, kann man selbst mit abgegrasten Themen ebensogut arbeiten: Warum stellen so viele Interviewer diese Frage? Manchmal, so unterstelle ich frech, geschieht es aus Faulheit. Michael Schumacher fragen, woher er stammt? Kann man beinahe überall nachlesen. Julia Roberts oder Tom Cruise fragen, wie die Zusammenarbeit mit dem Regisseur des aktuellen Films war? Dasselbe kann man jeden x-beliebigen Schauspieler fragen (mit Cruise oder Roberts bekommt man aber nur 15 Minuten Roundtable – oder nie, nie, nie wieder ein Exklusivinterview). Ein Bandinterview eröffnen mit “Erzählt doch mal was von einer neuen Platte”? Ich an deren Stelle würde zurückfragen: “Hast du die noch nicht gehört?”

Aber oft findet sich an dieser Art von Fragen etwas, das als Ansatz dienen kann. Deshalb recherchiert man ja vor dem Interview. Zum Beispiel findet man heraus: In Schumachers Heimat ist gerade etwas passiert, bei dem er zugegen war und das Fragen aufwirft. Oder man findet frühere Bemerkungen des Regisseurs über Scientology, mit denen man Tom Cruise konfrontieren möchte. Oder man hört sich vor dem Bandinterview das Album an – und wenn man dazu dann wirklich keine konkreten Fragen hat, überlegt man sich, warum das so ist.

Oder man fragt, ob jemand die Sache mit den rosa Elefanten erklären kann.

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