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WIE MAN’S SPRICHT

14.09.2009 von Petra Engelke

Kaum jemand spricht druckreif. Radiomoderatoren müssen damit umgehen können, wenn sie Interviews machen. Manche senden dann einen ordentlich geschriebenen Vorspann und blenden nur die passenden Interviewpassagen ein. Andere nutzen die Frage, um ihre Zuhörer mit Hintergrundwissen zu versorgen. Und manche Radiosender bieten auf ihrer Website später nicht nur einen Podcast, sondern auch eine Mitschrift des Ganzen. Wie etwa das Interview mit Youssef Ziedan, Schriftsteller und Direktor der Abteilung für Manuskripte an der Bibliothek von Alexandria, geführt von Dieter Kassel für das Deutschlandradio – nachzulesen hier.

Da sieht man sofort: Das ist kein druckfertiger Text, sondern eine Abschrift. Daraufhin kann man sich dann die grundlegenden Fragen stellen, die auftreten, wenn man in Printmedien veröffentlicht: Wie weit soll man ein Interview bearbeiten?

Zunächst einmal schlage ich vor, das Ego in die Ecke zu stellen. Sicherlich, vieles könnte man geschliffener ausdrücken als der Gesprächspartner, anderes ließe sich so zuspitzen, dass ein Skandälchen daraus würde – beides ist aber nicht Sinn und Zweck des Wortlaut-Interviews. Und manche Schönfeilerei ist am Ende nicht notwendig, sondern geschmäcklerisch – schließlich ist auch die Abschrift des Radio-Interviews verständlich. Ein wenig Demut lernt man etwa, wenn man sich selbst interviewen und die Abschrift geben lässt. Ich zumindest habe mir danach jedes Mal vorgenommen, mich strukturierter auszudrücken – es hat aber nicht viel geholfen.

Womit wir bei der anderen Seite sind: Das Wortlaut-Interview soll den Gesprächspartner nicht als einen unbelesenen Stammler hinstellen, der für einen einzigen Gedanken drei Anläufe braucht. So etwas passiert aber im Interview auch den eloquentesten Köpfen. Beim Verschriftlichen bewegt man sich folglich zwischen den Polen “Wie klingt es gut, liest es sich gut, wird es verständlich, hat es eine Dramaturgie?” und “Was wurde gesagt, wie wurde es gesagt, welcher Gedanke folgt auf was, was entspricht dem Wesen und Denken des Interviewpartners?”.

Die goldene Position gibt es nicht; um so genauer sollte man seine Entscheidungen für die eine oder andere Seite bedenken. Deshalb mache ich immer zuerst eine komplette Abschrift (Transkript) des Interviews, die ich unbearbeitet speichere. Falls ich später Teile des Interviews bearbeiten möchte, benutze ich am Ende das Transkript  zum Gegenlesen, Vergleichen und Prüfen. Die eine oder andere elegante Formulierung streiche ich vielleicht wieder – und merke sie mir für eigene Texte. Oder für das nächste Interview.

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