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WAS SAGT DIE REGIE?

21.10.2009 von Petra Engelke

Manchmal schlüpfen Interviewer beim Verschriftlichen in die Rolle des Dramatikers: Sie straffen und ordnen Dialoge so, dass sie einer Dramaturgie folgen. So soll es sein. Und manchmal erlauben sie ihren Fingern, Klammern auf den Monitor oder das Papier zu tippen. Gefüllt mit Regieanweisungen. Ist das denn Aufgabe von Journalisten?

Nun hat man sich einmal für die Form des Wortlaut-Interviews entschieden (oder möchten eben jenen Auftrag erfüllen), aber zu den Rechercheunterlagen zählen auch Aufzeichnungen über das Drumherum. Soll das Interview insbesondere die Persönlichkeit des Interviewpartners spiegeln, können solche Zusatzinformationen wichtig sein. Also, meinen einige, gehören diese Informationen auch direkt ins Interview. Da bin ich anderer Ansicht: Mutmaßungen, die der Interviewpartner nicht direkt kommentieren darf, haben im Wortlaut-Interview nichts zu suchen.

Aber genau das sind diese interpretierenden Formulierungen, die wie Regieanweisungen im Text verstreut sind – meist in Klammern vor oder hinter eine Äußerung gesetzt. Zum Beispiel:

Interviewpartner (überlegt): Das ist nicht so leicht zu beantworten.

“(überlegt)” klingt plausibel, ist jedoch keine Sachinformation. Zu beobachten ist schließlich nur: XY macht eine Pause. Ob er die, wie es “überlegt” suggeriert, tatsächlich macht, weil meine Frage so ungewöhnlich oder kompliziert ist, dass er überlegen muss, weiß ich aber nicht (sofern ich nicht sofort nachgefragt habe). XY könnte genausogut unaufmerksam sein. Oder es könnte eine Marotte sein. Oder XY will eigentlich nichts dazu sagen. Oder, oder, oder. Ganz ähnlich fragwürdig ist “schmunzelt” (vielleicht sah ein Dritter es doch eher als ein gequältes Lächeln? Oder als höhnisches Grinsen?) und mit “entschieden”, “zögerlich”, “versöhnlich” und so fort.

Trotzdem können solche Beobachtungen und die Folgerungen daraus ja ein guter Baustein für einen Text sein. Dann allerdings, finde ich, braucht er eine andere Form. Ich kann mich beispielsweise für ein Fließtext-Porträt entscheiden, das Meinungsäußerungen meinerseits offen und pointiert darstellt. Ein Kollege wählt vielleicht lieber einen Vorspann, der die (emotionale) Situation aus der Perspektive des Interviewers beschreibt.

Ins Interview mit Philippe Djian (erschienen auf Galore.de) hat Daniel Müller solche “Regieanweisungen” auch nach einem beschreibenden Vorspann noch eingebaut. An den betreffenden Stellen mag der eine oder andere Leser stolpern. Der Gesamteindruck aber widerspricht meinem Rat – jedenfalls funktioniert das Interview trotzdem sehr schön.

Nachlesen? Bitteschön!

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