Interviews können Quellen sein. Der bevorzugte Weg ist zwar: Erst passiert etwas, und danach versuchen Journalisten, mit den Beteiligten zu sprechen. Aber manchmal nutzt es viel mehr, Interviews mit eben jenen Beteiligten anzuschauen, die vor dem Ereignis entstanden.
Zum Beispiel: Das aktuelle Album von Rammstein (veröffentlicht am 16.10.) darf seit heute nicht mehr an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden, weil die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien es auf den Index gesetzt hat. In der Berichterstattung darüber wird häufig ein Bandmitglied zitiert – mit einer direkten Reaktion auf die Indizierung, die Bild am Sonntag veröffentlichte.
Man kann aber auch mal schauen, welche Auffassung von Jugendschutz die Band vor der Indizierung vertrat.
Mit Fragen nach Altersfreigaben und Reife beginnt etwa Tim Hofmann sein Interview mit dem Rammstein-Gitarristen Richard Z. Kruspe, das am 16.10. in der Freien Presse erschien.
Beweiskräftig sind (ältere) Interviews zwar nicht, aber sie können Anhaltspunkte für die Entscheidung liefern, was eine Reaktion auf das Ereignis gewesen sein mag – und welchen Standpunkt die Beteiligten schon vorher vertraten. Das wiederum könnte auch einem Kalkül folgen, das längerfristig angelegt ist. Also doch: besser noch mal nachfragen.
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