Kevin Devine ist Musiker. Und (akademisch ausgebildeter) Journalist. Im Interview mit ihm erfahre ich, warum er den einen Beruf dem anderen letztlich vorgezogen hat – und, nur scheinbar ganz nebenbei: wieso er nicht beides gleichzeitig sein will. Seine Ausführungen sind ein gutes Beispiel für Interessenkonflikte – und die Rolle eines Journalisten. Auch wenn es in seinem Fall nicht um Berichterstattung über Lobbyisten geht, sondern um Musikkritiken. Dazu drei Fragen und Antworten:
Hast du je den Eindruck gehabt, du müsstest dich zwischen Journalismus und Musik entscheiden?
Kevin Devine: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich mich mit solchen Entscheidungen sehr geplagt habe. Vielleicht wird sich das in fünf Jahren als Nachteil erweisen.
Was gab den Ausschlag dafür, dass du dich auf die Musik konzentrierst?
Es klingt vielleicht etwas beleidigt, ist aber dennoch wahr: Mit keinem dieser beiden Dinge kann ich viel Geld verdienen, aber eins davon liebe ich, und eins mag ich. Warum sollte ich mich also nicht auf das konzentrieren, was ich liebe, und mein Glück versuchen, ob ich damit genug verdienen kann? Das war für mich der Entscheidungsträger: Es ist das, was ich liebe. Jetzt herumzurennen wie ein Verrückter in den fünf Tagen, die ich zu Hause bin zwischen einer fünfwöchigen US-Tour und einer 17-tägigen Tour in Europa, einem Aufenthalt, in den noch ein Konzert in einem Hockeystadion und Thanksgiving mit der Familie hineingequetscht ist: Das fühlt sich durchgeknallt an, aber was soll ich sonst tun? Es ist das, was ich will.
Wenn du gewollt hättest, hättest du nebenher weiterhin frei schreiben können. Warum – vielleicht einmal abgesehen von Zeitproblemen – hast du den Journalismus ganz aufgegeben?
Der einzige Grund, warum ich den Journalismus als semiprofessionelle Laufbahn beendete, war: Ich schrieb eine Rezension über eine Band, mit der ich hinterher eine Show spielte. Da dachte ich: Das ist zu schräg. Ich will das nicht. Wenn ich die Musik von jemandem nicht mag und sie rezensiere, dann tue ich das als die Stimme einer kritischen Autorität. Und dann ein Konzert mit diesen Musikern zu spielen, das erscheint mir doch ein wenig zu dicht dran.
Das Interview habe ich für ein Porträt in der Musikzeitschrift Visions geführt, das im Dezember erscheinen wird.
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