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Informieren oder unterhalten? VON KOMIKERN LERNEN

15.01.2014 von Petrina Engelke

Ich schaue schon mal gerne in US-Talkshows hinein – und manchmal bleibt eine Interviewfrage hängen. In diesem Falle eine von Jimmy Kimmel an den Rapper Lil Wayne. Nun sitze ich bei meinen Interviews nicht vor einem Publikum, das Hintergrundgelächter liefert, aber es lohnt trotzdem, darüber nachzudenken: Was kann ich von Comedians fürs Interviewführen lernen?

Jimmy Kimmel spricht in diesem Video mit Lil Wayne über die mysteriösen Anfälle, die den Rapper im Frühjahr 2013 ins Krankenhaus und in die Klatschpresse brachten. Gesundheit ist ein privates Thema, finde ich – das behandle ich in Interviews mit Takt. Jimmy Kimmel findet da einen Extraweg:
 

 

Er hakt gegen Ende dieses Ausschnitts durchaus kritisch nach – baut aber dabei schlagfertig das Stilmittel ein, das im englischen Sprachraum “comic relief” heißt (und kurzfristig eine angespannte Situation mit Humor entschärfen kann):

“Welcher Doktor behandelt dich denn, Dr. Dre?”

Mit Humor lässt sich auch in journalistischen Interviews Spannung abbauen – oder überraschen. Allerdings würde ich das eher wohlüberlegt tun; denn eine flapsige Bemerkung, die mir zwar (imaginäre) Publikumslacher sichern würde, kommt längst nicht bei jedem Interviewpartner so gut an wie bei Lil Wayne. Und wenn ich ihn zu einer Antwort provozieren möchte, komme ich auf diesem Wege wohl kaum weiter.

Für Jimmy Kimmel funktioniert’s: Er kann auf seine Frage gleich den nächsten Witz aufbauen. Das ist ja schließlich auch sein Job.

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