Live-Interviews unterscheiden sich von denen, die später aufgeschrieben und redigiert oder für den Rundfunk geschnitten werden. Giovanni di Lorenzo kennt sich mit beidem gut aus. Und er pocht auf die Unterschiede. Zusammen mit seiner neuen “3 nach 9″-Partnerin Judith Rakers steht er Marc Felix Serrao für die Süddeutsche Zeitung Rede und Antwort – und fragt zurück, als sollte er ein Live-Beispiel dafür geben, was ein konfrontativer Interview-Stil bewirken kann. Als Serrao kritisch nach dem freundlichen Ton in der Talkshow fragt, wundert sich di Lorenzo, wie wenig Ahnung Medienjournalisten vom Fernsehen haben, konstatiert, dass es doch sicher einen Grund dafür gäbe, warum keine Talkshow “dem Gast mit dem Hintern ins Gesicht” springe. Und fragt: “Was glauben Sie? Sie sind doch auch Medienjournalist.”
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ZURÜCKGEFRAGT
21.07.2010 Comments Off
Recherche-Interviews, finde ich, kann man nur bedingt vorbereiten. Meistens denke ich mir bei solchen Gelegenheiten, ich könne ja immer noch ein “richtiges” Interview nachschieben, wenn eine Person sich dafür anbietet. Vielleicht ist das nur eine schlechte Angewohnheit. Trotzdem schreibe ich mir vor Rechercheterminen einige konkrete Fragen auf – allein schon, damit ich auf die Punkte achte, die mir wichtig erscheinen. Und manchmal führt die Situation dann zu Überraschungen – wie gestern mit Yeohlee Teng.
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EIN INTERVIEW VON A BIS Z
23.06.2010 Comments Off
Manchmal geht das so: Magazinmacher denken sich feste Rubriken aus, und Interviewer müssen es dann ausbaden. Liebstes Hobby, Schönheitstipp, Bücher für die einsame Insel, und bitte mit ein paar Sätzen drumherum, lieblos nach dem eigentlichen Auftrag abgehakt und entsprechend langweilig. Manchmal geht das nicht anders. Manchmal steht hinter einem solchen Ergebnis aber bloß Faulheit. Das beliebte “A bis Z” zum Beispiel, bei dem man Interviewpartner zu 26 verschiedenen Begriffen assoziieren lässt, kann man sehr wohl in ein unterhaltsames Gespräch verwandeln. Das Erfolgsgeheimnis:
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BIS EINER HEULT
17.05.2010 1 Kommentar
“Mann, mit diesen ewigen Depressionen kann der Typ einem ja leid tun”, sage ich in einer Pause zur Pressefrau. Woraufhin sie mir erzählt, dass er bei dem Interview, das im Anschluss an meinen Termin stattfand, vor laufender Kamera in Tränen ausgebrochen ist.
Ob das stimmt, weiß ich nicht. Ich habe lange überlegt, ob ich darüber überhaupt schreiben soll. Aber mich reizt die Frage dahinter: Wollen wir das? Gibt es Journalisten, die es als ihren Job begreifen, solche Emotionen hervorzurufen?
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JA, MACH NUR EINEN PLAN
05.05.2010 Comments Off
Ich hatte ja lange genug Zeit. Einen Monat hat es gedauert, bis der Interviewtermin mit der Hälfte der Band The Black Keys endlich steht. Da hab ich mir schön was ausgedacht fürs Interview.
Aber Schlagzeuger Pat Carney ist nicht so ganz bei der Sache. Er hat eigentlich Urlaub, sagt er. Und nach den Hintergrundgeräuschen zu urteilen (more…)
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LAUFEN LASSEN
12.04.2010 Comments Off
Ein Sach-Interview mit einem Experten kann man ganz unterschiedlich angehen. Inhaltlich ist die Sache klar: Um Befindlichkeiten sollte es darin nicht gehen, wohl aber um Positionen. Der erste Strategiegedanke mag deshalb sein: konfrontativ rangehen. Ob das die richtige Wahl ist, hängt nicht nur von der Persönlichkeit des Interviewers ab, sondern auch vom Interviewten. Eine Alternative ist etwa: zurücknehmen, Beispiele und Sachverhalte antippen.
Da heißt es dann aufmerksam bleiben, um gegebenenfalls hartnäckig nachzufassen – und damit leben, dass die Fragen hinterher vielleicht ein wenig nach “laufen lassen” aussehen. Hauptsache, die Position des Interviewten kommt rüber. Wie etwa im Meedia-Interview von Mark Heywinkel, in dem Stephan Weichert über digitale Verlagsstrategien spricht.
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INTERVIEWS FÜHREN: UND WAS IST MIT MIR?
26.02.2010 3 Kommentare
“Und, wie war XY so?”, fragen Freunde hinterher. Fraglich, ob sich das nach einer halben Stunde im selben Raum sagen lässt. Einmal davon abgesehen, dass die Interviewten oft durch ihre Rolle und nicht als Privatperson für Interviews interessant werden – und sich entsprechend präsentieren. Trotzdem jagen die meisten Journalisten dem Authentischen nach. Sie wollen den Interviewpartner als Menschen sehen – schließlich ist ein Interview zur Parademethode geworden, um Einblicke in Innenleben zu geben. Muss, wer das erreichen möchte, er selbst sein oder sollte er sich ebenso inszenieren?
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FALSCHE ANTWORT
10.02.2010 1 Kommentar
Irgendwer will bei Interviews immer seine Interessen durchdrücken. Dieser Umstand wird meist im Zusammenhang mit “Autorisierung” beklagt. In den letzten Wochen habe ich es mehrfach mit anderweitigen Begehrlichkeiten zu tun gehabt: Redakteure und Magazinmacher erwarten zuweilen ganz bestimmte Antworten. Und das führt zu absurdem Theater.
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WENN INTERVIEWER ZU SEHR KLAMMERN
30.12.2009 Comments Off
Hinterher klinge ich lässig. Während des Interviews verfolge ich unerwartete Spuren, reagiere spontan auf Gesagtes und Atmosphärisches. Aber für mich funktioniert das nur, weil ich meine Grundfragen bis aufs einzelne Wort vorbereite. Ich überlege mir nicht nur Stichpunkte, sondern ich probiere bei der Vorbereitung verschiedene Frageformen und komplette Formulierungen aus. Pedanterie? Eher Psychologie:
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COUCH-FRAGEN
11.12.2009 Comments Off
Damit ein Interview spannend wird, braucht es eine gute Dramaturgie. Manchmal, glaube ich, geht an diesem Punkt etwas schief. Erstens: Dramaturgie ist nicht gleich Drama. Zweitens sind Gefühle sind nicht per se ein passendes Thema. Und drittens darf eine Journalistin zwar theoretisch alles Mögliche fragen; praktisch aber ist es klüger, genau das nicht zu tun. Sondern sich vorher zu überlegen, wohin die Frage führt. Lautet die Antwort: geradewegs auf die Couch, mag das ein Indiz dafür sein, dass sie nicht ins Interview gehört. Paradebeispiel:
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